Wirtschaftsbericht

GESAMTWIRTSCHAFTLICHE UND BRANCHENBEZOGENE RAHMENBEDINGUNGEN

Die globale Wirtschaftsentwicklung blieb 2016 verhalten und wuchs mit einem Plus von nur 3,1 % schwächer, als von den meisten Konjunkturinstituten prognostiziert. Auch der Internationale Währungsfonds (IWF), dessen Vorschau wir für unsere Planungsbasis nutzten, hatte das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts mit 3,4 % zu optimistisch eingeschätzt. In den Industrieländern schwächte sich die konjunkturelle Dynamik im Berichtsjahr deutlich ab; die Schwellen- und Entwicklungsländer hingegen behielten ihr Wachstumstempo annähernd bei.

Für die insgesamt wenig befriedigende konjunkturelle Entwicklung waren die anhaltende Nachfrageschwäche bei Energieträgern und Rohstoffen, aber auch ungünstige Wirtschaftsdaten aus China prägend. Hinzu kamen schwelende und neue politische Krisen. Sie beeinträchtigten weltweit die Investitionsbereitschaft sowohl privater Unternehmen als auch, in den betroffenen Ländern, staatlicher Institutionen.

Rund drei Viertel des bescheidenen Wachstums entfiel im Berichtsjahr auf die aufstrebenden Volkswirtschaften mit deutlichen Zuwächsen in Asien, wo KSB in China und Indien mit größeren Produktionsgesellschaften vertreten ist. Im chinesischen Markt allerdings verlangsamte sich das Wachstum und verlagerte sich zugleich, wie vom Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VMDA) dargelegt, stärker von der Industrie zum Dienstleistungssektor. In zwei weiteren BRIC-Ländern, Brasilien und Russland, bewegten wir uns mit unserem Produkt- und Leistungsangebot in einem unverändert rezessiven Marktumfeld. Südafrika, mit einer für die Region bedeutsamen KSB-Vertriebs- und -Produktionsgesellschaft, verzeichnete 2016 kein nennenswertes Wachstum.

Die Wirtschaft der Industrieländer ist im Vergleich zum Vorjahr mit einem Plus von 1,6 % nur leicht gewachsen. Dabei hat sich die moderate Erholung der Eurozone, dem für KSB wichtigsten Absatzmarkt, fortgesetzt. Das Bruttoinlandsprodukt des Währungsraums erhöhte sich um 1,7 %, wobei die strukturellen Probleme einiger Mitgliedsländer einer stärkeren Dynamik entgegenstanden.

KEIN WACHSTUM IM MASCHINENBAU

Der weltweite Umsatz mit Maschinen stagnierte 2016. Nach Angaben des VDMA, dem KSB angehört, war die Nachfrage nach Investitionsgütern zu schwach, um auch nur ein geringes Wachstum zu ermöglichen. Während in einigen Schwellenländern Asiens durchaus Zuwächse zu verzeichnen waren, lagen die Umsätze im europäischen und amerikanischen Maschinenbau unter denen im Vorjahr.

In Deutschland verharrte der Umsatz, ebenso wie in Frankreich und Italien, auf Vorjahresniveau. Teils kräftige Rückgänge, beispielsweise im Geschäft mit Brasilien, China oder den USA, haben die Unternehmen, laut VDMA, durch erfolgreiche Geschäfte in Europa und in vielen kleineren Märkten kompensiert. Deutlich schwächer als im Maschinenbau insgesamt entwickelten sich die Umsätze der Hersteller von Flüssigkeitspumpen und von Industriearmaturen in Deutschland. Sie gingen im Geschäft mit Pumpen um 6,0 % und armaturenseitig um 3,1 % gegenüber Vorjahr zurück.

WACHSENDE NACHFRAGE IN DER WASSERWIRTSCHAFT

Unter den Hauptabsatzmärkten für Pumpen und Armaturen wies die Wasser- und Abwasserwirtschaft das stabilste Wachstum auf. In den Schwellenländern mit zunehmender Bevölkerung und steigendem Lebenskomfort standen Investitionen in den Neubau der Wasserinfrastrukturen im Vordergrund. Sie betrafen den Bau von Brunnen, Wasseraufbereitungsanlagen und Pumpstationen sowie Einrichtungen, um kommunale und industrielle Abwässer zu entsorgen. Für solche Einsatzfälle kommen Pumpen in Nass- und Trockenaufstellung, Mischer und Rührer für Klärbecken sowie Absperrklappen zum Einsatz. Ebenfalls gute Marktbedingungen fanden wir im Baugewerbe vor, das unsere Produkte für die Druckerhöhung, die Heizungs- und Klimatechnik sowie die Entwässerung und Gartentechnik benötigt. Wegen der niedrigen Zinsen setzte sich der Bauboom fort.

Weltmarkt für Kreiselpumpen und Armaturen

In den meisten anderen Anwendungsbereichen unserer Pumpen und Armaturen stagnierte die Nachfrage oder ging gegenüber 2015 weiter zurück. Dies gilt insbesondere für die Öl- und Gasindustrie, die unter den niedrigen Preisen für Energieträger und Rohstoffe litt. Im Bergbau zeigte sich hingegen eine leichte Entspannung: Bei einigen Mineralien erholten sich die Preise wieder. Die ölverarbeitende Industrie sowie die Gasförderer profitierten erst gegen Jahresende von leichten Preissteigerungen, sodass sie im Berichtsjahr keine zusätzlichen Projekte mehr auf den Weg brachten. Auch der Transport von Flüssiggas mittels Tankschiffen, wie wir sie mit Tieftemperaturklappen ausrüsten, war noch von Überkapazitäten geprägt. Schiffsneubauten blieben daher weitgehend aus, Ersatzinvestitionen auf das Minimum beschränkt. Insbesondere in den Ölförderländern waren auch sekundäre Branchen von der Flaute betroffen; staatlichen Investoren fehlten die Gelder für Großvorhaben.

Die Energiewirtschaft plante und baute weiterhin nur in sehr begrenztem Umfang neue Anlagen zur Stromgewinnung. Insoweit setzte sich die Auftragsmisere der Anlagenbauer fort. Sie hatten ihrerseits nur wenige Aufträge für die Lieferanten von Komponenten wie Hochdruckpumpen und -armaturen zu vergeben. Zudem machte der harte Wettbewerb diese Aufträge zu einem Teil finanziell unattraktiv. Eine Ausnahme bildete die Ausstattung von Kernkraftwerken, bei denen der Preisdruck geringer ist und sowohl in Asien wie in Europa einige Neubauten in Planung sind.

Die insgesamt schwache globale Industriekonjunktur zeigte sich auch im verarbeitenden Gewerbe. Nur in wenigen Ländern, darunter Indien, belebte sich die Nachfrage. Insgesamt blieb aber die Nachfrage, auch in Asien, hinter den Erwartungen zurück.

WETTBEWERBER RESTRUKTURIEREN

Infolge der Nachfrageschwäche der genannten Branchen sowie währungsbedingter Einbußen mussten global agierende Pumpen- und Armaturenhersteller in mehreren Fällen drastische Rückgänge im Auftragseingang hinnehmen. Auf die Marktschwierigkeiten und Geschäftsrückgänge reagierten sie teilweise mit Restrukturierungsprogrammen, die – ähnlich wie bei KSB – hohe Einsparungen zum Ziel haben.

Erwies sich ein nationaler Markt als besonders schwierig, verringerten einzelne Pumpen- und Armaturenhersteller vor Ort außerdem ihre produktiven und vertrieblichen Kapazitäten. Dies war 2016 vor allem in Brasilien der Fall, wo mehrere Unternehmen ihre Aktivitäten deutlich zurückfuhren.

Aufgrund der geringeren Anzahl zu vergebender Großaufträge waren einzelne Anbieter bereit, höhere Preisabschläge vorzunehmen, um ihre Produktionskapazitäten auszulasten. Daher hielt der Preisdruck bei Projektaufträgen aus der Industrie und der Energiewirtschaft an.

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